ehr als zwei Jahrzehnte war Appa Rao aus Südasien verschwunden. Seine verzweifelte Familie ahnte nicht, dass er weit weg von ihnen in Sklaverei ausgebeutet wurde. Jahre vergingen, in denen Appa nicht nur seine Freiheit verlor, sondern auch kostbare Momente mit den Menschen, die er liebte. Als alle Hoffnung erloschen schien, erreichte seine Tochter plötzlich ein Lebenszeichen.
Eines Morgens vor 22 Jahren war Appa Rao nicht nach Hause gekommen. Er war unbemerkt aus seinem Dorf in Andhra Pradesh fortgegangen, um Geld zu verdienen – für seine Familie und um seiner geliebten Tochter Sayamma ein kleines Geschenk zu machen.
„Ich habe nur eine Tochter“, sagt er. „Ich wollte ihr etwas Geld geben und ihr einen Nasenstecker kaufen.“
Doch er kam nie an seinem Ziel an.

22 Jahre in Sklaverei
Ein falscher Zug führte Appa Hunderte Kilometer weit fort nach Tamil Nadu. Ein Landesteil, dessen Sprache er nicht kannte. Auf der Suche nach Hilfe traf er auf einen Mann, der ihm gut bezahlte Arbeit in seinem landwirtschaftlichen Betrieb versprach.
Doch aus einer Woche bei dem Landwirt wurden zwei Jahrzehnte in Sklaverei. Jahrelang manipuliert und belogen, schuftete Appa jeden Tag – ohne Lohn, ohne Freiheit.
Zuhause trauerte Sayamma, weil sie glaubte, ihr Vater sei gestorben. Sie versuchte, stark zu bleiben, um für ihre Kinder zu sorgen.
Doch ihr Vater fehlte in so vielen Momenten: bei den ersten Schritten ihrer Kinder, dem gemeinsamen z'Nacht im Kreis der Familie, in den stillen Stunden am Abend, wenn sie an ihn dachte.

Appa wird gefunden
Dann, im März 2025, geschah etwas Wunderbares. Lokale Behörden fanden Appa bei einer jährlichen Inspektion, bewirkt durch unsere langjährige Zusammenarbeit mit der Regierung von Tamil Nadu.
In Schulungen von IJM hatten die Beamtinnen und Beamten gelernt, worauf sie achten müssen, um Anzeichen von Arbeitsausbeutung zu erkennen.
Mit Unterstützung unserer Partnerorganisation wurde Appa befreit und der Landwirt verhaftet.
Aber Freiheit bedeutet für Betroffene mehr als nur aus Gefangenschaft freizukommen. Freiheit bedeutet, dass das Leben zu ihnen zurückkehrt.
Appa war frei, aber noch immer weit weg von zuhause. Jahrzehnte in völliger Isolation hatten ihre Spuren hinterlassen. Er hatte Mühe sich zu erinnern, woher er kam und sogar, sich verständlich zu machen.
Seine Familie in einem Land mit mehr als einer Milliarde Menschen wiederzufinden, schien aussichtslos.
Aber er gab die Hoffnung nicht auf.

Originalfoto von Appa Raos Befreiung, Anfang 2025.
Der lange Weg nach Hause
Zusammen mit lokalen Behörden und der Presse begann unser lokales IJM Team nach seiner Familie zu suchen. Unsere Partnerorganisation ging mit seinem Foto von Dorf zu Dorf, in der Hoffnung, dass ihn jemand kennen könnte.
Schliesslich war es ein Video der BBC, in dem Sayamma eines Tages ihren Vater erkannte. Sie brach in Tränen aus: „Das ist mein Vater!“ Kurz darauf machte sie sich auf die dreitägige Reise, um ihn wiederzusehen.
Nach mehr als 20 Jahren hielten sich Vater und Tochter endlich wieder in den Armen: „Ich habe einfach nur geweint“, sagt Sayamma. „Mein Mann hat geweint. Mein Vater hat geweint.“

Freiheit spüren – in den kleinen Dingen
Zurück zuhause kochte Sayamma ihrem Vater sein Lieblingsgericht – Fischcurry. „Es war das schönste Essen meines Lebens. Alles ist anders, weil er wieder da ist“, sagt sie.
Seitdem sind es die kleinen Dinge, die unendlich gross geworden sind: ein gemeinsames Glas Tee am Morgen, ein Spaziergang durch das Dorf, ein Ballspiel mit dem jüngsten Enkel.
Appa Rao selbst sagt: „Ich dachte, ich würde in Sklaverei sterben. Aber jetzt bin ich hier – und glücklich mit meiner Familie. Das ist alles, was ich will.“

Schutz erfahren, Freiheit leben
Mithilfe von IJM konnte Appa neue Ausweisdokumente und staatliche Unterstützungsleistungen erhalten.
Ganta Priyanka, Leiterin der Nachsorge von IJM in Andhra Pradesh begleitet ihn dabei, wieder in ein gesellschaftliches Leben in Freiheit zurückzufinden:
„Solange Appa ausgebeutet wurde, hatte er nichts mehr vom Leben erwartet. Keine Hoffnung für die Zukunft. Wenn er sich heute ausruhen, sein geliebtes Fischcurry essen oder Tee mit seiner Familie trinken kann, dann nur dank Menschen, die mit grossem Herzen IJM unterstützen", erzählt sie bewegt.
"Als ich ihn lächeln sah, war ich überglücklich – ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten. Dieses Lächeln ist unbezahlbar.“

Dieses Foto zeigt den "echten" Appa Rao mit seiner Familie.
Für Betroffene wie Appa Rao bedeutet Freiheit nicht nur Sicherheit. Sie bedeutet, wieder Freude zu empfinden – und sich das Glück der kleinen Dinge zurückzuerobern.
Mit Deiner Spende können wir dafür sorgen, dass Millionen Menschen weltweit sicher sind und Schutz erfahren vor Gewalt und Sklaverei.