Gott nachfolgen - richtig leben!

Gott nachfolgen - richtig leben!

Dr. (UNISA) Martin Knispel

Geschäftsführer WERTESTARTER GmbH, Stiftung für christliche Wertebildung

Amos 5, 21-24

Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen – es sei denn, ihr bringt mir rechte Brandopfer dar –, und an euren Speisopfern habe ich kein Gefallen, und euer fettes Schlachtopfer sehe ich nicht an. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

Beim Frühsport macht Karim die Übungen begeistert mit. Im Unterricht sitzt er in der ersten Reihe. Sobald der Lehrer eine Frage stellt, reißt er seinen Arm in die Höhe. Karim lernt gerne – und in der Pause fegt er freiwillig den Hof, wenn er nicht mit den anderen tobt. Mit zehn Jahren ist Karim das jüngste Kind im indischen Mukti Ashram. Das ist ein Ort der Zuflucht für befreite Kindersklaven in Delhi, betrieben von der Bewegung zur Rettung der Kindheit, mitfinanziert von Brot für die Welt.

Karims Eltern hatten Schulden. Sie schickten den Jungen in eine der Garküchen der Großstadt. Dort musste er Teller spülen, putzen, wischen und den Müll wegschaffen – 17 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Erst nach Mitternacht rollte er sich erschöpft in ein Tuch ein und schlief auf dem Fußboden des Lokals bis zum nächsten Mor-gen. Dann haben ihn Aktivisten entdeckt, die sich gegen Kindersklaverei engagieren und die Polizeiinformiert. Sie hat ihn und vierzig andere Kinderbefreit, die Besitzer der Garküche festgenommen und die Kinder in diese Einrichtung mit Schule, Ausbildungsmöglichkeiten, Schlafsälen und Aufenthaltsräumen gebracht. Karims Geschichte ist kein Einzelfall. 40 Millionen Menschen, Männer, Frauen und Kinder, leben welt-weit wie Sklavinnen und Sklaven. Sie werden behandelt wie Eigentum. Sie können nicht wählen, wo sie leben, mit wem sie zusammen sein wollen, wie sie ihren Tag gestalten. Sie müssen arbeiten, möglichst viel, möglichst billig – das ist alles, was zählt.

ZEUGNISTAG

Gottes Liebesgeschichte mit Israel beginnt mit dem Auszug aus der Sklaverei in Ägypten: „Let my people go!“ fordert Mose den Pharao im Namen Gottes auf. Hör auf, sie auszubeuten! Hör auf, immer mehr und immer schwere Arbeit von ihnen zu verlangen. Lass sie ziehen!

Und obwohl der Pharao so mächtig ist, so viele Sol-daten hat, geschieht es: Gott rettet aus der Sklaverei, Gott führt in die Freiheit: Gottes Kraft zeigt sich in der Rettung der Schwachen, in der Befreiung von Menschen, die in Sklaverei leben müssen. Seit dem gehört der Kampf um Befreiung aus Sklaverei zur DNA des jüdischen wie des christlichen Glaubens.

Aber er ist nicht nur ein Anspruch an die anderen ,sondern vor allem an uns selbst! Das schärfen uns die Propheten wie Jeremia ein: Schafft Recht und Gerechtigkeit und errettet den Beraubten von des Frevlers Hand und bedrängt nicht die Fremdlinge, Waisen und Witwen und tut niemand Gewalt an und vergießt kein unschuldiges Blut an dieser Stätte. (Jeremia 22, 3)

TERMIN BEIM CHEF

„Aber bei uns gibt es doch gar keine Sklavinnen und Sklaven mehr, oder?“ Ja, im Großen und Ganzen stimmt das. Und doch gibt es auch in unserem Land Menschen, die wie Sklavinnen leben: Es sind vor allem geflüchtete Frauen, die mit Gewalt, vor allem aber mit Drohungen in Bordellen festgehalten und zur Prostitution gezwungen werden: „Wenn ihr nicht macht, was wir sagen, werdet ihr zurückgeschickt, oder eurer Familie, euren Kindern in eurem Heimatland geschieht Schlimmes."

Die Worte Jeremias lenken unseren Blick auf die-se dunklen Seiten unserer Gesellschaft, die weit weg zu sein scheinen von unserem Gemeindeleben – und dann doch mitten unter uns, in unseren Orten und Städten geschehen. Noch gilt es vielen als normal, dass Frauen ihren Körper verkaufen müssen, um zu überleben; dass Männer in solche Bordelle gehen. Aber es ist und bleibt Unrecht. Es beraubt Frauen ihrer Würde; es tut ihnen körperlich und seelisch Gewalt an.

AMOS TRITT AUF

Die Sklaverei begegnet uns aber auch in alltäglicher Weise, ohne dass wir sie direkt wahrnehmen. Wir profitieren von Kindern wie Karim. Weil ihre Eltern unter ungerechten Schulden stöhnen, müssen sie ohne Rechte in Steinbrüchen arbeiten, um billige Pflaster- oder Grabsteine für den internationalen Markt zu produzieren; sie müssen in Teppiche knüpfen, die wir dann günstig kaufen. Wir profitieren davon, dass Frauen vor allem in Asienunter schrecklichen Bedingungen Textilien nähen, damit wir schnell und günstig eine neue Jeans oder ein T-Shirt kaufen können. Wir profitieren davon, dass Warlords im Kongo mit brutaler Gewalt Männer und Frauen dazu zwingen, für einen Hunger-lohn in den Coltan-Minen zu arbeiten, weil wir mit unserem Handy immer up-to-date sein wollen. Wir profitieren davon, dass Menschen in Ländern Afrikas auf Müllhalden leben und unseren Müllsortieren und verwerten.

Es ist gut, dass die Bundesregierung und das EU-Parlament jetzt endlich ein Lieferkettengesetz auf den Weg bringen. Es sagt: Die, die Kleidung oder Teppiche in Auftrag geben und bei uns verkaufen, tragen Verantwortung dafür, woher die Ware kommt und wie sie produziert wird. Wie lange wird gearbeitet? Werden Kinder beschäftigt? Reicht der Lohn, um eine Familie zu ernähren? Werden die Arbeitenden in sklavenähnlichen Verhältnissen gehalten?

DIE, DIE DA SO SELBSTSICHER LEBEN, WIRD GOTT RICHTEN!

Aber wieder gilt: Diese Fragen stellen wir nicht nur an die anderen, an Manager und Unternehmen, sondern auch konkret an uns. Christi Liebe macht uns frei, nicht nur auf unseren Weg und unseren Vorteil zu schauen, sondern für andere da zu sein. Wir leben aus Christi Liebe und sollen nun auch ins einem Geist wandeln.

Schafft Recht und Gerechtigkeit! heißt dann: wir können auch persönlich dazu etwas tun, Indem wir Initiativen unterstützen, die sich dafür einsetzen, dass die Lieferketten streng überwacht werden. Indem wir nur Dinge kaufen, die ein „Fair“-Siegel haben, d.h.: sie nicht mit Kinderarbeit hergestellt, es sind die Grundregeln im Blick auf die Arbeitszeit und die Arbeitsbedingungeneingehalten und diese werden auch unabhängig und unangekündigt überprüft. Wir sollen weniger wegwerfen und schauen, wo es ein „genug“ gibt; wo ich nicht „immer mehr, immer besser“ brauche, sondern zufrieden am siebten Tag in die Erkenntnis: „Siehe, es ist sehr gut“ einstimmen kann und darin für mich und für andere eine neue Freiheit entdecke.

3 GEDANKEN ZUM THEMA „GERICHT UND GNADE GOTTES“

Schafft Recht und Gerechtigkeit! Dann gedeiht die Freiheit, um die wir an diesem Sonntag beten.

Der erste Begriff „Recht“ meint, dass jeder Mensch sich darauf verlassen kann, gleich behandelt zu werden; einfach, weil er oder sie ein Mensch ist, von Gott ins Leben gerufen, von Gott geliebt, von Gott berufen, Verantwortung für diese Welt zu übernehmen. Niemand darf der Willkür anderer Menschen unterworfen werden.

Solche Rechtssicherheit ist ein hohes Gut. Ich bin froh, dass ich in einem Rechtsstaat lebe, auch wenn das eben heißt, dass nicht einfach das geschieht, was ich will, was mir oder denen nützt, die zu mir gehören. Recht schafft Freiheit, weil sie mich vor der Gewalt der Mächtigen schützt; aber Rechtbeschränkt meine Freiheit auch – zugunsten der Menschen um mich herum.

Die „Gerechtigkeit“, von der die Bibel spricht, geht noch ein Stück weiter. Sie kennt die Grenzen des Rechts: Wenn ein Reicher und eine Arme die gleichen Rechte haben, herrscht noch keine Gerechtigkeit. Vielmehr sucht und schaffe die Gerechtigkeit immer wieder Gelegenheiten, Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten aufzulösen und zu überwinden. Darauf zielt das Wirken von Jesus, wenn er in seiner Antrittspredigt in Nazareth das Gnadenjahr des Gottes verkündigt, das mit ihm begonnen hat. Nun soll sichtbar werden, wie die Gerechtigkeit Gottes die Erde erfüllt: da werden Menschenfrei und schöpfen neue Hoffnung, die in Schulden und Ängsten gefangen waren; da bekommen Arme neue Mut und die materiellen Möglichkeiten, ihr Leben selbst zu gestalten; da vererbt sich die Not nicht, sondern Kinder wie Karim erleben, wie Bildung und Gemeinschaft sie stärken und in eine Freiheit führen, in der sie ihre Zukunft selbst verantwortlich gestalten können.

VI

Wir feiern heute Gottes Liebesgeschichte mit uns, die Menschen in die Freiheit führt: Karim und alle anderen, die heute unter Sklaverei leiden. Wir sind Teil dieser befreienden Bewegung und tragen sie in unsere Welt: in deutlichen Worten, in kleinen konkreten, praktischen Schritten, aber auch mit weitem Herzen und in der Verantwortung für unsere Geschwister und die Mitmenschen, die uns von Gott auf dieser Erde anvertraut sind. Schafft Recht und Gerechtigkeit und errettet den Beraubten von des Frevlers Hand und bedrängt nicht die Fremdlinge, Waisen und Witwen und tut niemand Gewalt an und vergießt kein unschuldiges Blut an dieser Stätte. So werdet ihr in Gottes Frieden leben!

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