Material für Kleingruppen

Material für Kleingruppen

Hier findest du Materialien, um das Thema in Kleingruppen und Hauskreisen noch einmal aufzugreifen.

Gesprächsleitfaden für Kleingruppen

Am Sonntag für Freiheit haben Sie in Ihrer Gemeinde einen Gottesdienst zum Thema „Freiheit“ erlebt und erfahren, wie eng die Themen „Freiheit und Gerechtigkeit“ mit dem christlichen Gott verknüpft sind.

In Ihrem Kleingruppenabend soll es nun darum gehen, das Ganze noch einmal zu vertiefen, also biblisch-theologisch noch etwas tiefer einzusteigen, aber gleichzeitig auch praktisch werden zu lassen.

Vorgeschlagener Ablauf

1. Diskutieren Sie in Ihrer Gruppe die folgenden Fragen

Was gehört für Sie zum Christsein essentiell dazu? Brainstormen Sie zusammen in der Gruppe und sammeln Sie die Punkte auf einem Blatt Papier. Nach dieser ersten Runde diskutieren Sie die Frage: Was bliebe von meinem Christsein übrig, wenn all das nicht mehr vorkäme, was mit „organisiertem Glauben“ zusammenhängt? Würde man noch erkennen, dass ich Christ bin, auch wenn es keine Kirche vor Ort, keinen Gottesdienstbesuch etc. ... mehr gäbe? Was wäre dann noch sichtbar?

2. Lesen Sie Amos 5, 21-23

Der Herr sagt: »Ich hasse eure Feste und kann eure Feiern nicht ausstehen. Eure Brandopfer und Speiseopfer sind mir zuwider; das gemästete Vieh, das ihr für das Opfermahl schlachtet, kann ich nicht mehr sehen. Hört auf mit dem Geplärr eurer Lieder! Euer Harfengeklimper ist mir lästig! (GN)

3. Warum könnte Gott gegen diese Dinge sein? Lesen Sie dazu V. 24

Sorgt lieber dafür, dass jeder zu seinem Recht kommt! Recht und Gerechtigkeit sollen das Land erfüllen, wie ein Strom, der nie austrocknet.(GN)

Wenn Sie den Blick über Amos hinaus richten möchten, sehen Sie sich auch die Visualisierung von „Gottes großer Plan“ an vom Anfang der Bibel bis zur Offenbarung.

Download Faltblatt "Gottes großer Plan"

4. Was ist der Hintergrund zu diesen Aussagen des Propheten Amos?

Hintergrundinformation

Im jüdischen Verständnis war Gott nicht nur ein theoretischer Befürworter von Gerechtigkeit, sondern auch ein praktischer: Er griff ein, sandte Propheten, die soziale Missstände beklagten und Veränderung einforderten. Beispielhaft soll das am Propheten Amos aufgezeigt werden. Mit der Einführung des Königtums ergaben sich in Israel tiefgreifende soziale Veränderungen. Wurde das Königtum ursprünglich eingesetzt, um für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen, so entwickelte es sich tragischerweise ins Gegenteil. Aufwändige Bauten erforderten die Dienste von Fronarbeitern, denen ihr Lohn oft vorenthalten wurde (vgl. Jeremia 22,13-17).

Mit wachsendem Hofstaat entwickelte sich eine zunehmend wohlhabendere Oberschicht, die ihren Wohlstand allerdings nicht dem allgemeinen wirtschaftlichen
Aufschwung verdankte, sondern auf Kosten der Armen reich wurde. Die soziale Schere begann auseinanderzuklaffen. Besonders eindrücklich kann man das an archäologischen Funden der alttestamentlichen Stadt Thirza sehen, die zeitweise die Hauptstadt des Nordreiches Israel war. Im 10. Jahrhundert v. Chr. waren die Häuser und die Einrichtungsgegenstände in der ganzen Stadt noch relativ gleich. Nur zwei Jahrhunderte später, zu der Zeit, in der der Prophet Amos auftrat, gab es einen deutlichen Unterschied zwischen den Vierteln, in denen die Oberschicht zuhause war, und den Vierteln der Unterschicht.

Waren sich die Häuser im 10. Jahrhundert v. Chr. noch recht ähnlich, so lassen sich im 8. Jahrhundert v. Chr. Viertel mit großzügigen Häusern und mit Elfenbein verzierten Betten finden. Die Stadtteile der ärmeren Bevölkerung prägten kleine dicht gedrängte Häuser. Als Schlafplätze dienten schlichte Bodenmatten. Die einen aßen Fleisch bei jeder Mahlzeit, die anderen litten regelmäßig Hunger.
Erlangt wurde dieser Reichtum vorwiegend durch eine perfide Methode: die Darlehensgabe oder, wie es in der heutigen Entwicklungszusammenarbeit genannt wird, die Schuldknechtschaft, von der heutzutage Millionen Menschen betroffen sind. Arme Teile der Bevölkerung mussten sich bei Missernten oder sonstigen Notlagen Geld oder Saatgut bei der wohlhabenden Oberschicht leihen. Diese nutzten die Situation aus, indem sie Wucherzinsen forderten und die Schuldner faktisch zu Leibeigenen machten. Die Schuldknechte arbeiteten fortan nur noch für ihren Gläubiger und hatten keine Chance, aus diesem System wieder auszubrechen. Sie und ihre Familie „gehörten“ fortan einem neuen Besitzer. Dass die neuen Herren die Frauen dann zu ihren Sexobjekten machten, wurde zunehmend die Regel. (vgl. Amos 2,7). Für die wohlhabenden Juden der damaligen Zeit schien das nicht im Geringsten im Widerspruch zu ihrem Jahwe-Glauben zu stehen. Wie sehr dieses Unrecht Gott jedoch zuwider war, bringt Amos in Kapitel 5 auf den Punkt, indem er ausdrückt, dass ihm Gerechtigkeit „lieber“ ist als ein „schöner Gottesdienst“.

5. Inwiefern müssen wir uns als Christen in Deutschland auch 2023 diese
prophetische Kritik zu Herzen nehmen? Inwiefern leben wir in ähnlichen Strukturen und sind für Sklaverei z. B. durch unseren Konsum mitverantwortlich?

6. Was könnte das für Ihre Kleingruppe ganz konkret bedeuten?

Sollte Ihnen nichts einfallen: Hier nun ein paar Ideen:
• dass sie fairen Kaffee, faire Schokolade für Ihre Treffen kaufen.
• dass Sie Lebensmittel eher regional und saisonal kaufen.
• dass Sie Ihre Stimme erheben und denen eine Stimme verleihen, auf die sonst niemand hört, indem sie sich z. B: an Ihren Bundestagsabgeordneten wenden und
sie oder ihn in einem Brief bitten, dem Kampf gegen moderne Sklaverei mehr Beachtung zu schenken.
• dass Sie regelmäßig für diese Anliegen beten. IJM verschickt 4x im Jahr einen Gebetsrundbrief mit aktuellen Gebetsanliegen. Wenn Sie diesen bekommen möchten, schreiben Sie bitte eine E-Mail an: [email protected]
• dass Sie z. B. einmal pro Jahr eine Aktion veranstalten, um auf diese Thematik aufmerksam zu machen. In Ihrer Kirchengemeinde, in der Nachbarschaft, auf einem Geburtstag o. ä. Ideen hierzu finden Sie hier.

7. Weiteres Material zum vertiefen & verteilen

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