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Hier findest du Materialien, die besonders für Kinder-und Jugendkreise aufbereitet sind, damit alle Generationen beim Sonntag für Freiheit dabei sein können.
Es gibt auch heute noch Menschen, die als Sklaven leben müssen, aber Gott möchte diese Menschen befreien!
Nachdem Joseph von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft und dort zu einer Art Minister ernannt worden war, kommen auch sein Vater Jakob und seine Brüder mit ihren Familien aufgrund einer Hungersnot im Land Kanaan ins benachbarte Weltreich Ägypten. Zunächst können sie dort dank ihrer Verbindung zu Joseph ein sehr privilegiertes Leben führen und bekommen das beste Weideland zur Verfügung gestellt.
Einige Generationen später jedoch, das Volk Israel hatte sich im fremden Ägypten mittlerweile stark vermehrt, kommt ein neuer König an die Macht, der von Josephs Verdiensten nichts mehr weiß und das Volk Israel aufgrund seiner Größe als potenzielle Gefahr für sein Land sieht. So belegt er die Israeliten mit Zwangsarbeit (in erster Linie mit der Herstellung von Ziegeln und mit Feldarbeit) und lässt sie bewachen und bei Bedarf mit Gewalt züchtigen. Um zu verhindern, dass sich das Volk weiterhin vermehrt, ordnet er an, dass alle kleinen Söhne der Israeliten getötet werden sollen. Mose, der dank dem kreativen und mutigen Einsatz seiner Mutter überlebt und von der Tochter des Pharaos am Königshof aufgezogen wird, kann das Leid seiner Landsleute nicht mit ansehen und erschlägt als junger Mann einen der ägyptischen Aufseher, um den Tod eines israelitischen Zwangsarbeiters zu rächen. Da seine Tat nicht unbemerkt bleibt, muss er aus Ägypten fliehen und lebt von nun an als Schafhirte im Land Midian.
Dort in der Wüste hat er eine heilige Begegnung mit Gott, der aus einem brennenden Dornbusch zu ihm spricht und sich ihm nicht nur als der Gott seiner Väter Abraham, Isaak und Jakob, sondern – erstmalig in der Bibel – auch als JAHWEH („Ich werde sein, der ich sein werde“ oder auch „Ich bin für euch da“) vorstellt und damit seinen Charakter offenbart. Gott, der das Elend seines versklavten Volkes gesehen und ihre Schreie gehört hat, beauftragt Mose, nach Ägypten zurückzukehren und die Israeliten in die Freiheit zu führen.
Der nun folgende Auszug aus Ägypten (Exodus) wird zur entscheidenden Gotteserfahrung der Israeliten und zum Zentrum des Alten Testaments. Im gesamten weiteren AT sind zahlreiche Hinweise auf dieses Handeln Gottes am Volk Israel zu finden. Bezeichnend ist außerdem, dass sich Gott im ersten der zehn Gebote auf seine Befreierrolle der Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft beruft. Bis heute feiern gläubige Juden jedes Jahr im Frühjahr das Passahfest, um ihrer Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten zu gedenken.
Obwohl Sklaverei theoretisch in jedem Land der Erde verboten ist, sieht die Praxis leider anders aus. Schätzungen zufolge waren im Jahr 2022 weltweit fast 50 Mio. Menschen von moderner Sklaverei und Menschenhandelbetroffen. Diese Menschen fristen ihr Dasein in einer Parallelwelt, in der sie unter unmenschlichen Bedingungen schuften müssen und permanent von Gewalt bedroht sind. Besonders häufig arbeiten versklavte Menschen in Ziegeleien, Steinbrüchen und Reismühlen, in der Landwirtschaft, als Zwangsprostituierte in (privaten) Bordellen. Weit verbreitet sind Menschenhandel und Sklaverei auch in der Fischereiindustrie in Thailand.
In ihre Fänge geriet Ron aus Kambodscha. Mit den knapp 2 Dollar am Tag, die er als Bauer verdiente, konnte Ron seiner Familie kaum ein Überleben sichern. Daher folgte er den Versprechungen eines Mannes, der in seinem Dorf erschien und ihm gut bezahlte Arbeit im benachbarten Thailand anbot. Erst auf einem Fischerboot, meilenweit von der Küste entfernt, erfuhr Ron, dass er an den Kapitän verkauft worden war. Ron arbeitete bis zu 20 Stunden am Tag ohne Unterbrechung, bekam oft tagelang nichts zu essen und wurde brutal geschlagen. Nach anderthalb Jahren kam Ron frei – ohne Lohn. Seine Familie lebte noch immer in so extremer Armut, dass sich Ron entschloss, ein weiteres Mal in Thailand nach Arbeit zu suchen. Er heuerte auf einem Schiff an, das illegal in indonesischen Gewässern fischte, bis die Crew von den indonesischen Behörden verhaftet wurde.
Nach Monaten im Gefängnis wurde Ron freigesprochen und IJM übernahm seine Betreuung. Dank Rons Aussage gelang es IJM gemeinsam mit der Polizei, die Männer zu finden, die ihn verkauft hatten und sie zur Verantwortung zu ziehen. IJM unterstützte Ron dabei, zu seiner Familie zurückzukehren und sich in Kambodscha eine neue Existenz aufzubauen.
Unter dem folgenden Link findest du ein Video, das Sklaverei definiert und veranschaulicht.
Dreibeinlauf: Die Kinder bilden Paare. Die beiden Spieler eines Paares stellen sich nebeneinander auf und bekommen von einem/einer Mitarbeiter/in die beiden inneren Beine mit einem Seil (alternativ Schnur oder Tuch) verbunden. Nun dürfen die Paare für 2–3 Minuten im Raum bzw. im Gemeindehaus umhergehen und müssen sich dabei selbst einigen, wohin sie gehen. Die Kinder machen die Erfahrung, nicht selbst entscheiden zu können, wohin sie gehen möchten und ein Stück weit „gefangen“ zu sein.
Eigentlich war alles sehr gut gewesen in Ägypten! Die Israeliten hatten wirklich ein tolles Leben. Obwohl sie als Fremde nach Ägypten gekommen waren, weil in ihrem eigenen Land eine Hungersnot ausgebrochen war, durften sie an den schönsten Orten im Land leben. Der Pharao hatte ihnen die besten Weiden für ihre Tiere gegeben und sie wurden sogar regelmäßig mit Essen versorgt. Das lag daran, dass einer von ihnen, Joseph, beim Pharao sehr beliebt war. Joseph hatte den Ägyptern viel Gutes getan und nun wollte der Pharao nicht nur ihn, sondern auch alle anderen Israeliten dafür belohnen.
Aber dann verging die Zeit und Joseph und der Pharao wurden alt und starben. Ein neuer König kam an die Macht und der wusste nichts von alldem, was Joseph für die Ägypter getan hatte. Er sah nur, dass die Israeliten ein großes Volk geworden waren und bekam Angst vor ihnen. Er dachte: „Wenn es einmal einen Krieg gibt, verbünden sich die Israeliten vielleicht mit unseren Feinden und kämpfen gegen uns.“ Deswegen beschloss er, die Israeliten zu Sklaven zu machen! Sie mussten hart für ihn arbeiten und Ziegel herstellen oder auf den Feldern arbeiten. Damit die Israeliten das auch taten, setzte er Aufseher ein, die aufpassten, dass die Israeliten auch wirklich arbeiteten. Wenn es den Aufsehern nicht schnell genug ging oder ein Sklave weglaufen wollte, schlugen die Aufseher sie mit ihren Peitschen. „Los! Schneller!“, riefen sie.
Die Israeliten litten sehr unter der Sklaverei. Sie hofften, dass sich die Situation eines Tages wieder ändern würde und sie befreit würden! Jeden Tag beteten sie und riefen verzweifelt zu Gott. Schließlich hatte Gott Abraham vor langer Zeit versprochen, seine Nachkommen zu einem großen Volk zu machen. Jetzt waren die Israeliten ein großes Volk, aber sie lebten als Sklaven. Das konnte doch nicht Gottes Ziel sein! Aber sah er sie überhaupt, wie sie da in Ägypten schuften mussten und geschlagen wurden? Oder hatte Gott sie etwa vergessen?
Dann kamen eines Tages plötzlich zwei Männer. Es waren Mose und sein Bruder Aaron. Sie gingen zu den Ältesten der Israeliten und erzählten ihnen von einem Wunder. Gott hatte zu Mose aus einem brennenden Dornbusch gesprochen und ihm gesagt, dass er das Leid und das Geschrei der Israeliten gehört hatte und dass er die Israeliten aus der Sklaverei befreien wollte. Sie sollten frei sein und in ihrem eigenen Land leben! Gott selbst wollte sich darum kümmern, dass der Pharao sie ziehen lassen würde und sie in ein neues Land bringen.
Die Israeliten konnten es kaum glauben!
Aber ganz so einfach ging es dann doch nicht. Der Pharao wollte schließlich nicht auf seine billigsten Arbeitskräfte verzichten. Deswegen schickte Gott nach und nach zehn Plagen. Einmal war das ganze Land voll mit Fröschen. An einem anderen Tag kamen von überall her Stechmücken angeflogen. Dann gab es ein fürchterliches Unwetter mit Hagel und Donner wie noch nie zuvor in Ägypten. Ein anderes Mal kamen Heuschrecken und fraßen die ganzen Bäume kahl. Aber das alles half nicht dabei, den Pharao umzustimmen. Da ließ Gott zu, dass alle erstgeborenen Söhne der Ägypter starben. Auch der älteste Sohn des Pharaos.
Und dann ging plötzlich alles ganz schnell! Die Israeliten wurden mitten in der Nacht aus dem Land gejagt. Die Ägypter wollten sie so schnell wie möglich loswerden. Jetzt waren die Israeliten frei! Sie machten sich auf den Weg in ein neues Land, das Gott ihnen schenken wollte! Bis heute feiern die Menschen in Israel jedes Jahr im Frühling eine ganze Woche lang ein großes Fest, um sich daran zu erinnern, dass Gott ihre Vorfahren aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat, das Passahfest. Für die Israeliten ist die Geschichte gut ausgegangen. Sie haben erlebt, dass sie Gott nicht egal sind und dass er extra Mose und Aaron schickte, um sie zu befreien.
Aber leider gibt es auch heute immer noch Sklaverei! Eigentlich ist es in allen Ländern der Welt verboten, andere Menschen zu Sklaven zu machen. Trotzdem gibt es immer noch manche Gegenden auf der Welt, in denen Menschen als Sklaven versteckt gehalten werden und hart arbeiten müssen. Sie bekommen kein Geld für ihre Arbeit und müssen von früh morgens bis spät abends arbeiten. Manche von ihnen müssen Fische fangen. Sie können nicht fliehen, weil sie auf einem Boot weit weg von der Küste festgehalten werden. So jemand war Ron. Ron lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in einem kleinen Dorf in Kambodscha. Dort gibt es keine Arbeit und kein Geld. Vor ein paar Jahren kam ein Mann in Rons Dorf. Er sagte: „Es gibt Arbeit für dich. Ich kann dich nach Thailand bringen. Viele Männer aus deinem Land verdienen dort viel Geld auf großen Fischerbooten. Sie fangen Fisch für die ganze Welt. Willst du mitkommen?“ Ron glaubte dem Mann. Er dachte, dass er genug Geld verdienen könnte, damit es seiner Familie besser gehen würde. Ron ging mit dem Mann nach Thailand. Er fing an auf einem Fischerboot weit draußen im Meer zu arbeiten. Dann sagte ihm der Kapitän des Bootes, dass er Ron gekauft hatte. Genau wie alle anderen Arbeiter auf dem Boot, wie Fische auf dem Markt. Ron und die anderen Männer auf dem Boot mussten jeden Tag arbeiten und durften oft nicht einmal schlafen oder sich ausruhen. Wenn sich ein Netz unter Wasser verhedderte, musste einer der Männer nur mit einem Schnorchel tief ins Meer tauchen und es befreien. Wenn der Kapitän böse wurde, bekamen Ron und die anderen Männer nichts zu essen oder sie wurden geschlagen. Nach eineinhalb Jahren auf dem Fischerboot kam Ron frei. Aber sein Geld hatte er nicht bekommen. Als er in sein Dorf zurückkam, erkannte ihn seine Familie zuerst nicht wieder, weil seine Haare sehr lang geworden waren. Aber es hatte sich nichts verändert. Ron und seine Familie hatten immer noch kein Geld um sich genug zu essen oder Kleidung zum Anziehen zu kaufen. Deswegen ging Ron nochmal nach Thailand, um eine gute Arbeit zu suchen. Ron dachte, dass die Kapitäne auf anderen Booten bestimmt nicht so böse zu ihren Arbeitern sind. Darum fing er an, auf einem anderen Fischerboot zu arbeiten. Aber auch hier war die Arbeit sehr hart und er wurde nicht gut behandelt. Auf dem Boot nahm man Ron seinen Pass weg. Der neue Kapitän wollte mehr Fische fangen und steuerte deswegen das Fischerboot in Gewässer, in denen er eigentlich nicht fischen durfte. Eines Tages kam die Polizei und verhaftete deswegen alle Arbeiter auf dem Boot. Ron musste mehrere Monate ins Gefängnis. Dann sagte das Gericht, dass er unschuldig sei, weil er versklavt worden war. Ron durfte gehen. Eine christliche Organisation, die sich für Menschen einsetzt, die in Sklaverei gefangen gehalten werden, half Ron weiter. Sie hörten ihm zu und er erzählte ihnen genau, was passiert war. Die Leute von der Organisation gingen damit zur Polizei. Zusammen konnten sie die Männer finden, die Ron und die anderen Arbeiter verkauft hatten. Sie sorgten dafür, dass sie verurteilt wurden und ins Gefängnis kamen. Die Sozialarbeiter/-innen der Organisation halfen Ron ein besseres Leben bei seiner Familie aufzubauen. Von der Organisation bekam Ron eine Wasserpumpe. Er bringt jetzt dem ganzen Dorf Wasser. Er kann Reis und Bohnen anbauen und Tiere halten. Ron hat wieder Hoffnung für die Zukunft und ist glücklich, wieder zu Hause zu sein.
Im Anschluss an die Erzählung/Geschichte kann eine Austauschrunde mit den Kindern stattfinden, in der die Kinder überlegen, was man in Freiheit alles tun kann bzw. tun darf. In einer zweiten Runde wird überlegt, was Menschen, die gefangen sind, alles nicht tun können. Zur Veranschaulichung können mit den Kindern auch zwei Plakate gestaltet werden, auf denen die Ideen der Kinder gesammelt werden.
Material: Soft-Ton, Ausstechform, Unterlage, evtl. Nudelholz
Die Kinder dürfen als Erinnerung an den Vormittag Herzen aus Soft-Ton ausstechen. Das Herz kann die Kinder auch immer wieder daran erinnern, für die Menschen, die in Sklaverei leben, zu beten.
Je nach Größe des Herzens wird pro Kind ca. 25–50 Gramm Soft-Ton benötigt. Normalerweise lässt sich der Soft-Ton recht gut von Hand bearbeiten. Es kann aber auch ein Nudelholz zur Hilfe genommen werden, um den Ton auszuwellen. Je nach Stärke des Herzens benötigt die Modelliermasse ca. zwei bis drei Tage, um an der Luft zu trocknen.
Für die Einheit sollten mindestens 90 Minuten eingeplant werden. Es ist auch möglich diese Einheit auf mehrere Termine mit den Jugendlichen aufzuteilen.
Als Einstieg in das Thema Moderne Sklaverei und Menschenhandel werden die Jugendlichen durch eine „Lebendige Statistik“ selbst aktiv und lernen dabei wichtige Fakten zum Thema kennen. Die Jugendlichen sollen sich dabei zu bestimmten Fragestellungen positionieren, indem sie sich entlang einer gedachten Linie im Raum aufstellen.
Wie wir gerade herausgefunden haben, leben heute noch weltweit fast 50 Millionen Menschen in Sklaverei, also mehr als jemals zuvor. Dabei meinen wir nicht Menschen, die „nur“ unter schlechten Arbeitsbedingungen leben, sondern wir reden von Menschen, die gegen ihren Willen durch andere Personen ausgebeutet werden. Dies geschieht meistens unter Androhung von Gewalt, Täuschung, Betrug oder Missbrauch von Macht.
Menschen in Sklaverei werden pausenlos überwacht und leben in ständiger Angst. Sie erfahren täglich physische, verbale und psychische Gewalt. Sie können nicht einfach gehen und sich eine andere Arbeit suchen. Sie werden nicht mehr als Personen mit eigenem Willen betrachtet, sondern als Eigentum oder als Ware, die man kaufen oder verkaufen kann, die man benutzt oder „wegwerfen“ kann.
Ein Mensch kostet heute im Durchschnitt ca. 80 Euro. Er wird damit zu Wegwerfware und kann einfach ersetzt werden, sollten die Versorgungskosten zu hoch sein. Sklaverei hat heute ganz unterschiedliche Facetten und zeigt sich an vielen verschiedenen Stellen. Grob kann man sie in zwei Kategorien unterteilen: das ist zum einen der Bereich des Sexhandels, worunter Zwangsprostitution oder auch die sexuelle Ausbeutung im Internet fällt und zum anderen der Bereich der Arbeitssklaverei. Im Prinzip findet sich Sklaverei in fast allen Wirtschaftsbranchen – überall dort wo es möglich ist Menschen auszubeuten.
Um zu verstehen, was es für einen Menschen bedeutet, in Sklaverei zu leben, und auch, wie Menschen da hineingeraten, möchte ich euch in die Geschichte von Ron mit hineinnehmen, der mehrere Jahre lang auf Fischerbooten in Thailand versklavt war.
Nun kann das Video gezeigt werden oder, falls die technischen Mittel dafür nicht zur Verfügung stehen, die Geschichte erzählt werden:
In ihre Fänge geriet Ron aus Kambodscha. Mit den knapp 2 Dollar am Tag, die er als Bauer verdiente, konnte Ron seiner Familie kaum ein Überleben sichern. Daher folgte er den Versprechungen eines Mannes, der in seinem Dorf erschien und ihm gut bezahlte Arbeit im benachbarten Thailand anbot. Erst auf einem Fischerboot, meilenweit von der Küste entfernt, erfuhr Ron, dass er an den Kapitän verkauft worden war. Ron arbeitete bis zu 20 Stunden am Tag ohne Unterbrechung, bekam oft tagelang nichts zu essen und wurde brutal geschlagen. Nach anderthalb Jahren kam Ron frei – ohne Lohn. Seine Familie lebte noch immer in so extremer Armut, dass sich Ron entschloss, ein weiteres Mal in Thailand nach Arbeit zu suchen. Er heuerte auf einem Schiff an, das illegal in indonesischen Gewässern fischte, bis die Crew von den indonesischen Behörden verhaftet wurde.
Nach Monaten im Gefängnis wurde Ron freigesprochen und IJM übernahm seine Betreuung. Dank Rons Aussage gelang es IJM gemeinsam mit der Polizei, die Männer zu finden, die ihn verkauft hatten und sie zur Verantwortung zu ziehen. IJM unterstützte Ron dabei, zu seiner Familie zurückzukehren und sich in Kambodscha eine neue Existenz aufzubauen.
Was wir im Video gesehen haben, ist eine Form von Arbeitssklaverei. Bittere Armut zwingt Menschen von ihren Familien wegzugehen, in der Hoffnung eine Arbeit zu finden, die ihr Überleben sichert. Dabei vertrauen sie den Versprechungen fremder Arbeitgeber/-innen, die sich am Ende als Menschenhändler/-innen entpuppen und sie als Arbeitssklaven gefangen halten.
Wenn man das alles so hört und sieht, dann scheint das ziemlich weit weg von uns zu sein. Es stellt sich die Frage, was Ron mit uns und unserem Leben zu tun hat? In der heutigen Zeit ist es so, dass viele Dinge, die wir essen, benutzen oder tragen, nicht aus Deutschland kommen, sondern in verschiedenen Ländern auf dieser Weltangebaut, produziert oder hergestellt werden, oftmals von Menschen in Sklaverei. Beispiele sind der Kakao für unsere Schokolade, das Mica für das Glitzer in unserer Schminke, der Rohstoff Coltan für unsere Computer, Smartphones und Laptops, die Herstellung unserer Kleidung und vieles mehr.
Der „Slavery Footprint“ veranschaulicht auf eindrückliche Weise, wie unser Konsum mit Sklaverei zusammenhängt. In einem Selbsttest auf der Seite slaveryfootprint.org werden elf verschiedene Fragen zum eigenen Konsumverhalten gestellt – zum Beispiel, wie viele Elektrogeräte man besitzt oder wie viel Obst man isst. Am Ende erhält man eine Zahl, wie viele Menschen für den eigenen Lebensstil in Sklaverei arbeiten, wobei ein Mensch in Sklaverei allerdings nicht nur für eine, sondern für mehrere Personen arbeitet. Die errechnete Zahl basiert auf der Untersuchung von 400 alltäglichen Konsumgütern und deren gesamten Lieferketten mit den damit verbundenen Arbeitsbedingungen. Grundlage für diese Berechnungen sind Zahlen von Transparency International und der US-Regierung. Wir gehen davon aus, dass die Jugendlichen für diese Übung Zugang zu mobilem Internet haben oder eventuell ein WLAN-Zugang vor Ort zur Verfügung gestellt werden kann. Da die Seite auf Englisch ist, könnte gegebenenfalls Unterstützung für die Beantwortung der Fragen nötig sein.
Alternativen
1. Ein/e Mitarbeiter/in beantwortet die Fragen beispielhaft vor der ganzen Gruppe.
2. Ein/e Mitarbeiter/in hat den Selbsttest im Vorfeld gemacht und präsentiert die Ergebnisse unter Angabe der eigenen Antworten.
Um herauszufinden, wie eng unser eigener Lebensstil und unser Konsum mit der Arbeit von Menschen in Sklaverei zusammenhängt, wollen wir jetzt einen kleinen Selbsttest machen. Geht dafür mit euren Handys auf die Seite slaveryfootprint.org und beantwortet die elf Fragen.
Es kann eine kurze Austauschrunde folgen zu den Fragen: Welche Zahlen habt ihr errechnet? Seid ihr überrascht? Was denkt ihr dazu?
Auch wenn wir mit unserem Konsum nicht bewusst anderen Schaden zufügen wollen, ist es schlichtweg nicht gerecht, dass Menschen für unseren Lebensstil und unseren Wohlstand leiden müssen. Das sieht auch Gott so und er macht deutlich, dass er dieses Unrecht nicht duldet! An über 3000 Stellen in der Bibel (bei denen der Begriff Gerechtigkeit auftaucht) wird deutlich, dass Gottes Herz für die Notleidenden schlägt und dass eines seiner Grundanliegen ist, dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu machen. Dieser Wunsch Gottes zieht sich vom ersten bis zum letzten Kapitel der Bibel durch.
Optional als theologische Vertiefung:
Wir wollen uns das beispielhaft (anhand eines Faltblatts, das ich euch mit gebracht habe) kurz genauer anschauen
Download Faltblatt „Gottes großer Plan“
1. 1. Mose 1: Gott schafft den Menschen, die Tiere und die Welt und zwar sehr gut. Sie ist im Frieden und die wesentliche Grundlage davon ist GERECHTIGKEIT. Uns Menschen überträgt Gott die Verantwortung, damit das so bleibt.
2. 1. Mose 3-8: Leider blieb die Welt nicht so harmonisch. Und so werden Ungerechtigkeit und Unfreiheit Teil dieser Welt. Gott möchte aber etwas anderes!
3. 1. Mose 12: Er gibt seine Welt nicht auf und beruft Einzelne, sie mit Liebe und Gerechtigkeit zu füllen. Er beruft Abraham, Joseph, Esther, Mutter Teresa und dich!
4. 5. Mose 7,6: Gott beauftragt aber nicht nur Einzelne, sondern eine ganze Gemeinschaft, sein Beispielvolk als Licht für die Welt. Die Rede ist vom Volk Israel, das weder besonders stark noch besonders groß war, sondern zunächst ein Volk von Sklaven.
5. 2. Mose 3, 7-8: Gott sieht dieses Volk Israel unter der Herrschaft das Pharaos in Ägypten leiden. Das ist ihm nicht egal und deshalb befreit er sie aus der Sklaverei. Er macht deutlich, dass sein Name JAHWE ist und meint damit, dass er der Gott ist, der für uns da ist.
6. 3. Mose 19: Gott schenkt seinem Beispielvolk ein Zuhause und gibt ihm Gebote, um Arme zu schützen und Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu verhindern.
7. Hesekiel 22: Leider halten sich die Mächtigen des Volkes nicht an die Gebote und treten die Gerechtigkeit mit Füßen. Deshalb sendet Gott Propheten, die daran erinnern sollen, dass Gerechtigkeit sein Herzensanliegen ist.
8. 2. Könige 24: Anstatt auf die Propheten zu hören, werden Arme unterdrückt und Menschen ungerecht behandelt. So tritt ein, was Gott vorausgesagt hat: die Heimat des Volkes Israel wird zerstört und sie werden in ein fremdes Land verschleppt.
9. Johannes 1, 14: Aber auch dann lässt Gott die Menschen nicht im Stich, sondern schickt seinen Sohn. Nie war uns Gott so nah, als durch seinen Sohn Jesus. Er lässt sich voll und ganz auf die Außenseiter und Vergessenen ein und zeigt, wie gerechtes Handeln aussieht.
10. Dann wird Jesus gekreuzigt und wieder zum Leben erweckt. Das ist eine Geschichte, in der Mächtige einem Unschuldigen Gewalt antun. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass Tod, Ungerechtigkeit und Demütigung nicht das letzte Wort haben, sondern dass Gott neues und ewiges Leben schenken möchte.
11. Johannes 14,26: Gott schenkt uns seinen Heiligen Geist, um uns unter anderem daran zu erinnern, wie gerechtes Leben und Handeln, so wie Jesus es gezeigt hat, aussieht.
12. Galater 3,28: Als Christen und als Gemeinden sind wir dazu berufen, genau das in die Tat umzusetzen. Dabei sollen wir uns den Armen und Unterdrückten zuwenden. Soziale Unterschiede und Unrecht dürfen keinen Platz haben.
13. Offenbarung 21,4: Und natürlich bleibt uns am Ende die Hoffnung auf eine NEUE WELT, in der es kein Leiden, keine Ungerechtigkeit, keine Trauer, keine Angst und keine Ausgrenzung mehr geben wird. Gott beginnt schon jetzt, heute und hiermit uns an dieser neuen Welt zu arbeiten.
Wie wir sehen schlägt Gottes Herz für Gerechtigkeit und er wünscht sich sehnlichst, dass wir das praktisch werden lassen. Aber wie kann das in unserem Leben heute aussehen?
Dazu machen wir eine kurze Blitzlicht-Runde, bei der jeder von euch in einem Satz eine Idee dazu äußert. Es ist egal, welche Situation euch dabei im Kopf herumschwirrt.
Einige der besten Beispiele, wie gerechtes Handeln und Leben aussehen kann, finden wir bei Jesus. Er stellt sich an die Seite von Menschen, die ausgegrenzt und ungerecht behandelt werden. Er sieht seinen Auftrag darin, Armen die gute Nachricht zu verkünden, den Unterdrückten zu sagen, dass sie von jeder Gewalt befreit werden sollen und Kranke zu heilen. Er möchte diesen Menschen ihre Würde und Selbstachtung zurückgeben. Damit beginnt Gottes neue Welt, oft auch als Reich Gottes bezeichnet, mit all den Facetten der Freude, Heilung, Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Frieden schon hier auf der Erde. Das bringt tiefgreifende Veränderung im Leben Einzelner aber auch in Gruppen (Lukas 4). Besonders deutlich wird es zum Beispiel in der Geschichte aus Lukas 18, 35-43, in der Jesus einen blinden Mann heilt: Jesus ist gerade mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem, um mit vielen anderen Israeliten das Passahfest zu feiern (also die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten). Am Straßenrand treffen sie auf einen blinden Mann. Blind sein bedeutete in der damaligen Zeit, dass man fast völlig aus jeder Gemeinschaft ausgeschlossen und ausgegrenzt wurde. Die Menschen hatten Vorurteile und behandelten Blinde sehr schlecht. Es ist also sicherlich auch eine Überwindung, als dieser blinde Mann seine einmalige Chance nutzt und Jesus anspricht. Jesus lässt sich auf eine echte Begegnung mit diesem Mann ein und fragt: „Was möchtest du, das ich für dich tun soll?“. Er wendet sich ihm voll und ganz zu. Er hat Interesse daran, zu hören, was der tiefe Wunsch dieses Mannes ist. Er hat echtes Mitleid und er möchte ihm ernsthaft helfen. Jesus fordert uns mit seinem Leben dazu heraus, diese Frage auch heute noch zu stellen, wenn wir Menschen helfen wollen. Es ist also auch die Frage, die wir den Menschen stellen sollten, die in Sklaverei sind.
Die Jugendlichen finden sich in 4er-Gruppen zusammen. Zwei von ihnen nehmen die Position einer/eines Jugendlichen in Sklaverei ein und zwei von ihnen einer/eines Jugendlichen in Deutschland. Gemeinsam erstellen sie einen möglichen WhatsApp-Chatverlauf. Was könnten die Jugendlichen in Sklaverei auf die Frage „Was möchtest du, das ich für dich tun soll?“ antworten – wie reagieren die deutschen Jugendlichen – was für ein Gespräch entsteht?
Damit sich die Jugendlichen besser in die Lage eines Menschen in Sklaverei hineinversetzen können, gibt es die Möglichkeit Personenbeschreibungen für die Gruppenarbeit bereitzustellen. Anschließend werden die Chatverläufe im Plenum vorgetragen.
Was können wir also tun? Denn auch wenn wir heute wirklich schlimme Fakten und Geschichten kennengelernt haben, gibt es die Möglichkeit, aktiv zu werden.
International Justice Mission
IJM (International Justice Mission) ist eine Organisation, die sich weltweit gegen Sklaverei und Menschenhandel engagiert. Sie setzt sich dafür ein, dass Ungerechtigkeit aufhört und begegnet den Menschen auf Augenhöhe. Sie hat die Frage gestellt, was können wir für euch tun, dass sich eure Situation wirklich verbessert? Dabei hat sie drei Schritte entwickelt, um Sklaverei zu beenden:
Menschen befreien
Der erste Schritt ist, die betroffenen Menschen zu befreien, dass sie nicht mehr unterdrückt werden und Gewalt ausgesetzt sind.
Täterinnen und Täter überführen
Im zweiten Schritt werden gemeinsam mit den lokalen Strafbehörden die Menschenhändler/innen und Täter/innen überführt, sodass die Menschen in Sklaverei zukünftig vor ihnen sicher sind.
Zusatzinfo: Hier setzt sich IJM für faire Gerichtsprozesse und angemessene Verurteilungen im Rahmen der jeweiligen Gesetze des Landes ein. Damit wird der gesamten Region signalisiert, dass die Ausbeutung und Verletzung von Menschen in Armut nicht ohne tiefgreifende Konsequenzen bleiben.
Sklaverei ist überall verboten
An vielen Orten werden Menschen in Sklaverei oft noch nicht von dem Rechtssystem geschützt. Deshalb entwickelt IJM gemeinsam mit den lokalen Regierungen Programme, die Polizist/-innen, Staatsanwält/-innen und Richter/-innen in der Strafverfolgung schulen. Wir hier in Deutschland mit unserer Jugendgruppe können natürlich nicht direkt einen Menschen aus Sklaverei befreien oder eine/n Täter/in überführen, aber es gibt andere Möglichkeiten, für Gerechtigkeit einzutreten und dazu beizutragen, dass Sklaverei von dieser Welt verschwindet.
Tipp: Hier sollten auch nochmal die Handlungsoptionen aufgegriffen werden, die die Jugendlichen selbst während der Blitzlichtrunde und im Chatverlauf genannt und erörtert haben.
Ein erster wichtiger Schritt ist, seine Augen nicht mehr vor dem Thema Sklaverei zu verschließen. Menschen in Sklaverei leben am Rand einer Gesellschaft, sind ausgegrenzt und fühlen sich wertlos. In dem Moment, wo wir beginnen, uns für diese Menschen zu interessieren, ihre Geschichten weiterzuerzählen und diese zum Beispiel auf Instagram zu teilen, verleihen wir ihnen eine Stimme und machen darauf aufmerksam, dass ihre Situation auch etwas mit unserem Leben zu tun hat.
Challenge für die kommende Woche
(1) Teile die Geschichte von Ron auf Instagram und erzähle deinen Freunden davon.
(2) Führe mit einer Person in der kommenden Woche den Slavery Footprint durch.
Falls du Lust hast selbst Teil von IJM zu sein, kannst du Botschafter/in werden. Dazu bietet IJM deutschlandweit eintägige Schulungen an, dass du noch tiefer in das Thema Moderne Sklaverei und Menschenhandel einsteigen kannst. Das Ziel ist dabei, in unserer Gesellschaft zu einem Sprachrohr für Menschen in Armut und Unterdrückung zu werden und an den Orten, wo wir leben, auf das Thema aufmerksam zu machen.
Dazu könnt ihr zum Beispiel eine Lokalgruppe gründen und verschiedenste Aktionen starten. Euren kreativen Ideen sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ihr könnt Straßenaktionen machen oder vielleicht eine Kunstausstellung zum Thema organisieren, Flohmärkte oder Spendenläufe veranstalten, um Geld für die Arbeit von IJM zu sammeln und vieles mehr.
Kann ich wirklich etwas mit meinen Entscheidungen, ob, was, wo und wie viel ich kaufe, verändern? Ja, das kannst du. Denn hinter jedem Produkt steht eine Firma oder ein Unternehmen mit ihren Interessen. Du kannst entscheiden, wer am Ende von deinem Einkauf profitiert. Viele Menschen weltweit arbeiten und leben in Sklaverei, damit wir so billig und so viel wie möglich kaufen können, ohne darauf zuschauen, was das Produkt kosten würde. Beginne doch mal in einem Bereich, der dir besonders wichtig ist, etwas zu verändern. Ich gebe euch als Anregung mögliche Challenges auf einem A4-Blatt mit.
Challenge für die kommende Zeit
Entscheide dich für eine Challenge auf dem Blatt und setze sie in nächster Zeit um.
Idee: Oft gibt es in Jugendgruppen etwas Kleines zu knabbern. Vielleicht könnte diesmal faire, sklavenfreie Schokolade wie zum Beispiel Tony ́s Chocolonely mitgebracht werden als Inspiration oder Beispiel.